Brief von H.v.F. aus Marbella (Spanien)

geschrieben von Ruth Gaudlitz 
Brief von H.v.F. aus Marbella (Spanien)
14. Juli 2008 16:54
Liebe Ruth,
Dein Buch habe ich nun zum zweiten Mal gelesen (Die Bibel - das Unheilige Buch) - das 1. mal verschlungen, das 2. mal mehr kritisch - woran ich merke, wie sehr ich suche, was mir gar nicht so bewusst war.
Die biblischen Geschichten, wie Du sie berichtest, gefallen mir natürlich besser als im A.T., Hiob könnte ich so das erste mal verstehen, die Schöpfungsgeschichte liest sich spannend, die Zeugung und Geburt Jesu sind plausibel u.s.w..
Nur: woher nimmst Du die Gewissheit, dass die von Dir zitierten "wahre Propheten" sind, zumal im Fall Gabriele Wittek? Vonden anderen hatte ich noch nichts gehört.
Auch ich esse kaum noch Fleisch, aber wie sollten die Eskimo, in deren Gebiet nichts wächst, da ohne leben? Da gefällt mir am besten, was ich von den Indianern weiss, dass sie jedes Tier ehe sie es töten, jede Pflanze, ehe sie sie schneiden oder brechen um ihre Zustimmung bitten - wer spricht den Pflanzen, die ja auf Musik reagieren, eine Art Seele ab?
Auch ich glaube nicht an die "ewige Verdammnis", wohl an die Hölle, die viele Menschen hier auf der Erde erleben. Und da des Menschen Wille s o frei (noch) nicht ist, da stimme ich J. zu, erscheint es mir, verzeih, zu einfach, billig, alles auf ihn oder auf den Teufel zu schieben, was "schlecht"ist. Wer lässt Säuglinge verhungern, Kinder an von den Eltern ererbtem Aids sterben? Sie haben noch keine Willen.
Ich glaube an die Enegie/Kraft, die alles bewirkte und bewirkt, aber ich denke/glaube, sie ist weder gut noch böse - oder beides. Siehe Atomenergie.
Abschluß, Grüße, H.v.F.

Liebe H.,
vielleicht bekommst Du noch weitere Antworten im Forum,von mir aus will ich auf einige Punkte eingehen:

Du fragst mich, woher ich "die Gewissheit" nehme "wahre Prophetie" zu zitieren. Ich wiederhole, was ich früher schon geschrieben habe. "Gewißheit" ist in diesem Fall, wenn es um Prophetie und um geistige Wahrheit geht immer eine ganz "persönliche Gewißheit", die sich für mich zusammensetzt aus Glaube und Vernunft. Ich benutze das Wort Vernunft als Verbindung von Verstand und Empfindung. Ich habe diese Lehre aus meiner Sicht geprüft und halte sie für wahr im Wissen, daß jedes Individuum eigenverantwortlich prüfen muß und darf und daß außerdem Erkenntnis ein Wachstumsprozess ist, und zwar ebenfalls ein ganz persönlicher, subjektiver.

Was die Propheten und Medien als Wort- und Wahrheitsübermittler angeht, so habe ich mich auch dazu geäußert: Sie sind Kinder ihrer Zeit, sie sind als Menschen keine absoluten Erscheinungen, sie verändern sich, sie sind keine "Heilige", sie sind nicht unfehlbar. Sie durchleben als Menschen Phasen des Lichtes und der Finsternis, sie durchleben ihre Kämpfe. Und das möge auch Deine Frage nach Frau Wittek beantworten. Auch heute noch glaube ich, daß sie einmal wichtige und wahre Botschaften übermittelte. Manche waren für mich vor einigen Jahren wegweisend und kann ich immer noch als Wahrheit ansehen, andere Lehren wiederum konnte ich nicht als Wahrheit erkennen. In der Umsetzung dieser Botschaften sehe ich den Weg ihrer Anhängerschar einer Kirchen- oder Sektengründung sehr ähnlich.

Ich bekam vor einiger Zeit eine nette email in der ein Gesprächspartner dem anderen ungefähr wie folgt antwortete: Beide waren sie nicht in allem einig mit meinen Ausführungen, der eine schrieb dann aber daß er nicht glaube, daß wir nach unserem Tod vor einer Glaubenskongregation zu stehen hätten. Ich konnte dem nur zustimmen.

Aber nun zum Vegetarismus:
Liebe H., - Du weißt daß es viele verschiedene Wege gibt sein Lebensziel zu erreichen. Und ich denke, daß das Individuum, das sich in einem Naturvolk inkarniert hat, seine besondere Aufgabe hat. Und so können wir vielleicht die Frage zu den Eskimos doch beiseite lassen. Aber wenn Du sagst, die Indianer würden vor dem Töten des Tieres (oder dem Ernten der Pflanze) die jeweiligen Tier- oder Pflanzenseelen um ihre Zustimmung bitten, dann bedenke, daß diese Völker das Fleisch der Tiere zu ihrem Überleben brauchten. Und dabei mit Sorgfalt darauf achteten, daß nichts vergeudet wurde. Ich kann nicht glauben, daß unter den Metzgern bei der Massentierhaltung unserer Zeit auch nur einer dabei ist, der innerlich Abbitte tut, er könnte diese Blutbäder zu Wasser und zu Lande auf Dauer wahrscheinlich nicht aushalten.

Im übrigen leiste ich mir manchmal den Hinweis, bei Diskussionen die allzu fanatisch um den Vegetarismus kreisen, daß auch Hitler Vegetarier war.

Vielleicht greift jemand anderes den einen oder anderen Punkt Deines Schreibens auf. Ich will mich für heute verabschieden, mit lieben Grüßen
Ruth



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.07.08 17:02.
Re: Brief von H.v.F. aus Marbella (Spanien)
16. Juli 2008 18:04
Wenn jemand sich als Prophet bezeichnet oder so bezeichnet wird, bin ich skeptisch. Hier wird versucht, den Aussagen dadurch größere Glaubwürdigkeit zu verleihen, daß behauptet wird, sie seien von Gott. Gott selbst würde das nicht tun, denke ich, denn er hätte wahrlich bessere Mittel um Glaubwürdigkeit auf eine Weise zu erzeugen, die jeden Zweifel und jede Diskussion ausschliessen würde und daß er es halbherzig tut, indem er menschliche Irrtümer und Widersprüche in seine Botschaften einstreut, will ich auch nicht glauben. Ruth weist den Empfindungen der prophetischen Botschaften eine wichtige Rolle zu - zu Recht, finde ich. Ich gehe aber noch weiter, indem ich grundsätzlich jedem Menschen zutraue, Wahrheit zu erkennen und zwar auch ohne "Propheten". Die Auseinandersetzung mit deren Botschaften mögen bei der Wahrheitssuche hilfreich sein, aber jeder "Prophet" und jede "Prophetin" muß auch entscheiden, ob er oder sie seinen/ihren Botschaften durch die Verwendung oder Verleihung dieser Bezeichnung mehr Glaubwürdigkeit verleihen will. Ich denke, wer seiner Wahrheit sicher ist, braucht es nicht und kann in aller Ruhe und Zurückhaltung abwarten, daß seine Wahrheit auch von anderen erkannt wird, denn die Wahrheit sorgt selbst dafür, daß es geschieht.
Re: Brief von H.v.F. aus Marbella (Spanien)
17. Juli 2008 10:56
Lieber Jens,
zu Deinem gestrigen Beitrag:
1.) Du schreibst "Gott würde das nie tun". Eine gewagte Aussage, findest Du nicht? Wie gut kennst Du Gott um zu wissen, was er tun würde?
2.) Glaubwürdigkeit, die Zweifel und Diskussion ausschließt hat dann nichts mehr mit "Glauben" zu tun. Gott könnte seine Gebote, seine Lehren, den Beweis seiner Existenz mit mächtigen schwarzen Lettern an den Himmel schreiben. Das würde jeden Zweifel ausschließen, und jeden Ausdruck eines freien Willens des Menschen, eines freien Denkens einer freien Entscheidung und auch eines freien Sich-Bemühens unmöglich machen.
3.) Sicher, ja, in jedem Menschen findet sich Wahrheit. Eingeschränkt ist diese innere Wahrheit allerdings durch unzählige menschliche Verwicklungen und Irrungen und läßt sich nur im Verlauf eines Weges befreien und damit sichtbar, spürbar werden. Aber das rein geistige Wissen, das große Wissen um Schöpfungszusammenhänge und Entwicklung kommt nun einmal aus der geistigen Welt. Es ist vom Menschen aus nicht erkennbar was u. a. die vielen Theorien um Evolution belegen.
Es gab zu allen Zeit Propheten, große Propheten mit Lehren, die die Jahrtausende überstrahlen, sogenannte kleine Propheten, die den Menschen ihrer Zeit helfen konnten. Ich möchte ihnen nicht unterstellen, daß sie sich alle nur wichtig machen wollten, aber jeder darf sich dazu seine eigene Meinung bilden, und die Lehren eben glauben oder eben nicht glauben.

Zur Prüfung des prophetischen Wortes muß jeder für sich seine Gottesvorstellung klären, die Unvorstellbarkeit der Ur-Energie einerseits und die Frage nach dem persönlichen Gott, dem Schöpfer andererseits, ist ein Weg, bei dem irgendwann die Gedanken zu kurz werden und die Empfindung die Arbeit aufnehmen muß. Und dieser Weg ist unsere geistige Entwicklung. Und um das noch zu klären: ich trenne Gefühl und Empfindung: Gefühl als dem Körper zugehörend (und wankelmütig) Empfindung als Schwingung der Seele, - weniger leicht zugänglich aber beständiger.

Wenn man an einen persönlichen Gott glaubt und von ihm glaubt, daß er selbst pur Liebe ist, warum sollte Er dann nicht mit seinen Menschen sprechen? Er spricht mit seinen Geschöpfen durch Entwicklung, durch Führung, durch Begegnung und manchmal eben auch durch einen Menschenmund, man nennt sie Propheten.