Propheten (Antwort auf Rückfrage)

geschrieben von Ruth Gaudlitz 
Propheten (Antwort auf Rückfrage)
17. August 2008 10:58
Im Freundeskreis ist ja bekannt, daß ich sozusagen "Erfahrung mit Propheten" habe, und daß ich inzwischen so manche Medien, die sich selbst als Propheten bezeichnen oder von ihren Anhängern so genannt werden, kenne und außerdem jahrelang eine Fülle prophetischer Schriften gelesen, geprüft, hinterfragt habe.
Und so kommt denn auf mich öfter die erstaunte Anfrage zu: "Du glaubst noch immer an die Wahrheit der Propheten?"
Deshalb will ich hier im Gesprächsforum noch einmal darauf zurückkommen, obwohl ich das Thema in meinen beiden Schriften behandelt habe. Ich zitiere hier:

Aus dem Offenen Brief an den "sehr geehrten Herrn Ratzinger" - Seite 83/84

Die Bezeichnung "Prophet" wird von vielen Menschen verschieden und teils unklar gedeutet. Manche verstehen unter einem Propheten denjenigen, der künftige Ereignisse vorhersagt. In der esoterischen Szene wird oft das Innere Wort, gleich welcher Provenienz, als Prophetie bezeichnet. Ich spreche im folgenden von der echten Gottesprophetie, mit der die Kirche seit ihrem Bestehen ihre Schwierigkeiten hat, genau wie es im Alten Testament von der jüdischen Priesterschaft berichtet wird.

Schon damals wurden die Propheten verlacht, verhöhnt, für geisteskrank gehalten, schließlich verfolgt und getötet.

Wenn aus dem Munde eines Menschen Gottes hohes "ICH BIN" ertönt, dann sprengt dieses "ICH" alle rein menschlichen Vorstellungen, dann schwankt der so zuverlässig erscheinende Boden des Materialismus, auch des religiösen Materialismus, unter den Füßen, dann stürmen die Fragen ganz direkt und ungefiltert auf jeden Einzelnen ein. Kann das sein? Ist das die Wahrheit? Gott selbst? Kann ich das glauben? Und welche Konsequenzen hat es für mich?

Und doch wird von Jesus die Verheißung überliefert: "Ich hätte euch noch vieles zu sagen, aber ihr könntet es nicht verstehen. - Wenn aber der Geist der Wahrheit kommt, wird er euch in alle Wahrheit führen!"

Aber nicht nur die Botschaften, die zumeist aus Warnungen bestehen vor den Folgen, die im Gesetz von Ursache und Wirkung wirksam werden, sind eine große und ganz persönliche Herausforderung, sondern auch der Prophet selbst. Vielleicht ein Mensch von nebenan. Vielleicht ein Mensch, dessen Fehler man kennt. - Zum Sprichwort ist der , Hinweis geworden, daß der Prophet im eigenen Land nicht gehört wird. Das ging auch Jesus selbst nicht anders. "Ist der, der da spricht, nicht des Zimmermanns Sohn? Kennen wir nicht ihn und seine Familie?" - will heißen, kann dann seine Botschaft etwas taugen, wenn er doch ein ganz gewöhnlicher Mensch ist?

Die Kirche, die dieses "ICH BIN" noch dessen Überbringer weder bewältigen wollte noch konnte, hilft sich da mit einem Kunstgriff. Propheten werden erst anerkannt, wenn sie schon ein paar Jahrhunderte tot sind. Dann lassen sie sich verklären, mystifizieren, in ihrer menschlichen Erscheinung hochstilisieren, um sie dann gleichzeitig als nicht mehr relevant für das aktuelle Leben zu betrachten. - "Damals war eben alles anders!"

Der Prophet ist ein Sprachrohr. Er ist ein Werkzeug Gottes. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Um als Werkzeug Gottes tauglich zu sein, hat er in der Regel einen langen und auch schmerzhaften Läuterungsprozess zu durchlaufen. Geht es doch bei der echten Gottes-Botschaft nicht einfach nur um ein bißchen esoterisches Wissen sondern um das große "Kehret-um", um die Warnung und um die Rettung vor der Selbstzerstörung des Menschen und seiner Lebensgrundlage, die ihm ja den geistig seelischen weiterführenden Weg nach dem materiellen Tod ermöglichen soll. In Zeiten großer Umwälzungen, großer geistiger Not und Dunkelheit gab es immer auch Propheten.


Und nun die persönliche Konsequenz aus der Vielzahl der Botschaften die uns heutzutage erreichen: Manche dieser Botschaften und Lehren kann ich persönlich annehmen, andere nicht. Manche widersprechen sich und ich kann sie vielleicht nicht beurteilen oder nur nach meinem ganz persönlichen Empfinden.

Schon allein die Lehre von der "Erde als Schulhaus", von der Wiedergeburt als Evolutionsweg entfacht heiße Diskussionen und spaltet Gruppen und Religionen. Da helfen keine Argumente aus Nah-Tod-Forschung und -Erlebnissen. Und in vielen weiteren, weit komplizierteren Zusammenhängen verbergen sich die Widersprüche.

Aber von einer Sache bin ich überzeugt: Mein Leben, wenn es einmal beendet sein wird, wird es nicht daran gemessen, welchem Propheten ich was zu welcher Zeit geglaubt habe, sondern allein daran, was ich selbst getan habe. Niemand, so denke ich, kann die Verantwortung für sein Leben auf einen anderen Menschen abwälzen, und sei er ein guter oder ein schlechter Prophet. In der großen geistigen Entwicklung wird jeder Mensch zur Selbsterkenntnis geführt. Die göttlichen, geistigen Gesetze sind Erbe jeder inkarnierten Seele , können lange zugedeckt und mißachtet werden, treten im Laufe der Entwicklung jedoch klar ins Bewußtsein jedes Menschen, und das zu allen Zeiten, in allen Weltteilen, in allen Religionen.